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Badische Zeitung vom 19. Oktober 2009

 

Kicks auf Schritt und Tritt

TANZEN. Eigentlich ist es kinderleicht, den Kick bei einer Deutschen Meisterschaft im Rock ’n’ Roll zu erleben. Er begegnet jedem Zuschauer auf Schritt und Tritt, denn der Kick ist das Grundmuster dieses Tanzsports. Jenes rhythmische Schlackern mit den Füßen beherrschen schon Paare achtjähriger Knirpse in Vollendung. Und doch ist der Kick am Samstag im Eimeldinger Veranstaltungszentrum G5 nicht bei jedem Auftritt der fast 100 Paare zu spüren.

Denn neben der Akrobatik der Figuren, der Präzision der Fußtechnik und dem Gleichklang der Bewegung von Frau und Mann zählt vor allem eines: Gefühl und Leidenschaft. "Es muss halt prickeln", sagt Andreas Heidler, der sich für den RRC Jahn Landsberg mit Verena Rau 2008 zur deutschen Meisterschaft in der höchsten Kategorie (A-Klasse) kickte.

Doch es prickelte nicht überall, was vor allem daran lag, dass in der A-Klasse neben den Titelverteidigern Rau/Heidler etliche gesetzte Paare absagten und auch Nachrücker fehlten. Die Leistungsunterschiede der verbliebenen sieben Duos waren hier ziemlich groß. "Der DM-Termin im Herbst kommt für viele zu kurzfristig, da sie bereits ihr Programm für das nächste Jahr ausarbeiten", sagte der Ingolstädter Jens Wedemeyer, der mit Marina Elvers für RR Casino zur deutschen Vizemeisterschaft der A-Paare tanzte.

Eigentlich hatte sich Elvers tränenreich bereits mit einem Platz jenseits des Treppchens abgefunden, da sie bei der Landung nach dem Doppelsalto umknickt war und kurz mit der Hand den Boden berührt hatte. Damit fällt diese Höchstschwierigkeit, die in Eimeldingen nur Elvers/Wedemeyer anboten, aus der Wertung. Doch zwei der sieben Punktrichter übersahen den Fehler und setzten das Duo, das die Ex-Weltmeister Andreas und Beate Wolf betreuen, hinter den neuen deutschen Meistern Christina Bischoff und Lukas Moos (Gießen) auf Rang zwei.

Die Vorjahressieger Rau/Heidler haben gar zwei Doppelsaltos in ihrem Programm, doch eine Meniskusverletzung von Rau kurz vor den Titelkämpfen zwang sie zum Zuschauen. Die deutsche Spitze erlebt gerade einen Generationswechsel. "Etliche alte Haudegen haben aufgehört", sagt Andreas Heidler, viele jüngere Paare seien noch nicht so weit, weshalb es derzeit "einen krassen Umschwung" gäbe.

Nicht nur für Heidler waren deshalb die Wettbewerbe der B- und C-Klasse interessanter: In der B-Kategorie setzten sich Cathrin Poschenrieder und Felix Schelchshorn vom TSV Forstenried München durch, in der C-Klasse Miriam Glaß und Armin Meyer vom TSV Monheim, die mir ihrer schwungvollen Kür und einem gewagten Farbwechsel von Glaß’ Kostüm Begeisterungsstürme entfachten. Überhaupt dominierten bayerische Starter, die 12 der 15 Medaillen abräumten.

Über Platz 20 in der C-Klasse waren Tamara Löffler und Benjamin Schaufelberger überhaupt nicht unzufrieden. Das einzige Paar des emsigen Ausrichters RRC Lörrach, im Vorjahr an gleicher Stelle Landesmeister der D-Klasse, will sich erst im C-Bereich zurechtfinden. Den beiden 19-Jährigen, die schon seit sieben Jahren zusammentanzen, gehört die Zukunft.

Obwohl Rock ’n’ Roll wegen eines kleinen Verbandes in Deutschland keine Lobby hat und meist im Schatten von Standard- und Lateintanz steht, kann sich Schaufelberger einen Fachwechsel nicht vorstellen: "Durch die Kombination aus Kleidung, Kicks und Figuren sticht Rock ’n’ Roll einfach heraus." Ästhetik und Akrobatik – diese Mischung hat in Eimeldingen 800 Zuschauer überzeugt.